Prop-Firm-Drawdown-Rechner: So kennst du dein echtes Risiko
Drawdown-Regeln zerstören mehr funded Accounts als schlechte Trading-Strategien. Die meisten Trader verstehen nicht, wie Prop Firms Drawdown berechnen, wann du wirklich in Gefahr bist und wie viel Puffer du tatsächlich hast. Dieser mathematische Reality-Check kann deinen Account retten.
Static vs. Trailing Drawdown: Der entscheidende Unterschied
Static Drawdown: Fester Prozentsatz vom Startsaldo. Ein $100.000-Account mit 10% Static Drawdown bedeutet: raus bei $90.000. Punkt. FTMO, TopstepTrader und die meisten klassischen Firmen nutzen dieses Modell.
Trailing Drawdown: Folgt deinem höchsten Kontostand. Wenn dein $100.000-Account auf $105.000 wächst, wird dein neues Drawdown-Limit $94.500 (10% vom Peak). Diese Grenze „rattert hoch“ und fällt nie wieder.
Warum das wichtig ist: Trailing Drawdown macht profitable Accounts schwieriger zu halten. Jeder neue Profit-Peak setzt eine höhere Untergrenze, unter die du nicht fallen darfst. Static Drawdown gibt dir konstanten Spielraum.
Reale Drawdown-Beispielrechnungen
Beispiel 1 - FTMO $100K Account (10% static Drawdown):
Startsaldo: $100.000
Drawdown-Limit: $90.000
Aktueller Saldo: $95.000
Verbleibender Puffer: $5.000 (5% vom Limit)
Beispiel 2 - MyForexFunds $100K (12% trailing):
Startsaldo: $100.000
Account-Peak: $108.000 (nach guten Trades)
Aktuelles Trailing-Limit: $95.040 (88% von $108.000)
Aktueller Saldo: $102.000
Verbleibender Puffer: $6.960
Beispiel 3 - TopstepTrader $150K Futures (6% static):
Startsaldo: $150.000
Drawdown-Limit: $141.000
Aktueller Saldo: $145.000
Verbleibender Puffer: $4.000 (2,67% vom Limit)
Die Mathematik, die Trader übersehen
Recovery-Mathe ist brutal: Wenn du 8% im Minus bist und wieder break-even willst, brauchst du 8,7% Gewinn (8 ÷ 92 = 8,7%). Bei 15% Minus brauchst du 17,6% Gewinn. Je tiefer das Loch, desto steiler der Weg heraus.
Positionssizing-Effekt: Wenn du 2% pro Trade riskierst und 6% unter dem Peak liegst, bist du drei Verlusttrades von der Verletzung entfernt. Wenn du nur 1% riskierst, hast du sechs Verlusttrades Puffer.
Daily Loss Limits verschärfen das Problem: Die meisten Firmen haben Daily Loss Limits (typisch 5% der Account-Größe). Wenn du schon 7% unter dem Drawdown bist und das Daily Limit triffst, kannst du beide Regeln gleichzeitig verletzen.
Firmenspezifische Drawdown-Regeln
FTMO: 10% maximale Tagesverluste, 10% maximaler Gesamtverlust (static). Beide vom Startsaldo berechnet. Klar und planbar.
The5%ers: 4% Tagesverlust, 6% Gesamtverlust (static). Enge Regeln, aber die statische Berechnung macht Planung einfacher.
MyForexFunds: 5% Tagesverlust, 12% Gesamtverlust (trailing). Die Trailing-Struktur macht es mit zunehmendem Gewinn riskanter.
TopstepTrader: $3.000 Tagesverlust, $6.000 Gesamtverlust auf $150K-Accounts. Feste Dollarbeträge statt Prozente, was bei anderen Account-Größen anders skaliert.
Apex Trader Funding: 3% Tagesverlust, 6% Gesamtverlust (trailing). Unter den engsten Regeln im Futures-Prop-Trading.
Deinen Drawdown-Rechner aufbauen
Schritt 1: Kenne die exakten Regeln deiner Firma
- Statische oder Trailing-Berechnung?
- Daily Loss Limits?
- Weekend-Holding-Regeln?
- News-Trading-Restriktionen?
Schritt 2: Tracke deine Position in Echtzeit
Aktueller Saldo: $______
Account-Peak (bei Trailing): $______
Aktuelles Drawdown-Limit: $______
Abstand zur Verletzung: $______ (%______)
Schritt 3: Positionssizing-Puffer berechnen
Wenn du X% pro Trade riskierst, wie viele Verlusttrades würden dein Limit treffen?
Puffer-Trades = (Abstand zum Limit ÷ Positionsgröße)
Red-Zone-Warnsysteme
Yellow Alert (50% des max. Drawdowns): Positionsgröße um 50% reduzieren. Wenn dein max. Drawdown 10% ist, löse das bei 5% Minus aus.
Orange Alert (75% des max. Drawdowns): Positionsgröße um 75% reduzieren. Nur A+-Setups handeln. Erwäge, für den Tag/die Woche zu stoppen.
Red Alert (90% des max. Drawdowns): Sofort aufhören zu traden. Strategie neu bewerten. Wenn möglich, Firmensupport für Risikomanagement kontaktieren.
Fortgeschrittene Drawdown-Strategien
Equity-Curve-Management: Tracke deinen täglichen Kontostand gegen einen gleitenden Durchschnitt. Wenn du unter dem 20-Tage-Schnitt liegst, reduziere Risiko – selbst wenn du nicht nahe am Drawdown-Limit bist.
Bewusstsein für Korrelation: Mehrere Positionen in verwandten Assets (EUR/USD, GBP/USD, EUR/GBP) können konzentriertes Risiko erzeugen, das Drawdown-Limits schneller trifft als erwartet.
Schutz vor Weekend-Gaps: Einige Firmen zählen Weekend-Gaps in Drawdown-Berechnungen. Wenn du nahe am Limit bist, erwäge Freitagsschluss das Schließen von Positionen, um Gap-Verstöße zu vermeiden.
Häufige Rechenfehler
Spread-Kosten vergessen: Drawdown-Berechnungen enthalten Spreads und Kommissionen. Dein sichtbares P&L zeigt vielleicht -9,5%, aber mit Kosten bist du bei -10,1% und verletzt das Limit.
Daily-Reset-Zeiten missverstehen: „Daily“ Loss Limits resetten zu unterschiedlichen Zeiten. FTMO resetet um Mitternacht GMT. TopstepTrader resetet um 16:00 CT.
Trailing-Drawdown-Lag: Einige Firmen aktualisieren Trailing-Limits einmal täglich, nicht in Echtzeit. Dein echtes Limit kann höher sein als im Dashboard angezeigt.
Notfall-Recovery-Protokolle
Wenn du innerhalb von 2% zur Verletzung bist: Sofort alles Trading stoppen. Deine letzten Trades auf Muster prüfen. Firmensupport kontaktieren, um die genaue Drawdown-Berechnung zu klären, falls Unsicherheit besteht.
Teilpositions-Management: Statt voller Positionsgrößen erwäge Viertel- oder Halbpositionen, bis du wieder über der 50%-Drawdown-Schwelle bist.
Strategie-Pivot-Entscheidung: Wenn deine übliche Strategie nicht funktioniert und du tief im Drawdown bist, kann es Zeit für einen kompletten Ansatzwechsel sein – nicht nur kleinere Positionen mit derselben Strategie.
Drawdown-Mathematik zu verstehen ist nicht nur Risikomanagement – es ist Karriere-Erhalt. Die Trader, die jahrelang im Prop Trading bestehen, sind diejenigen, die diese Zahlen respektieren und Systeme darum bauen. Berechne dein Risiko präzise, überwache es obsessiv und lass Emotionen niemals Mathematik übersteuern.

